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Hauptkritikpunkte an WP-KESt und warum WP-Clubs in Österreich weniger wurden

Am 26.5. plauderte eine bunte Runde im Cafe BE über die aktuelle Situation an der Wiener Börse und auch über Zertifikate: Hans-Peter Schweighofer, (Präsident des InvestmentClub-Austria), Wolfgang Siegl-Cachedenier (Vorstand brokerjet), Alexander Proschofsky (Investor) und Heinrich Karasek (Ex-Banker, ZFA-Chef, jetzt Gastronom). Aus dem Talk:

Cafe BE: Was muss passieren, damit die Abwärtsspirale an der Wiener Börse gestoppt werden kann?

Siegl-Cachedenier: Zwei Dinge, einerseits die Kommunikation von allen in der Branche an die Kunden, Anleger oder Interessierten. Zweitens ein faires Gesetz, was die Wertpapiersteuer betrifft.

Cafe BE: Was wäre aus Ihrer Sicht fair?

Siegl-Cachedenier: Zum Beispiel, dass man Verluste sofort mit Gewinnen gegenrechnen kann.

Cafe BE: Das hört man ja sehr stark, dass das gerade evaluiert wird ...

Siegl-Cachedenier: Genau. Es ist ja nicht so, dass es kein Verständnis für so eine Steuer gibt, nur fair muss es sein. Gewinne sofort zu versteuern und die Verluste erst im nächsten Jahr zurückholen zu können, das sieht der Privatanleger zu Recht nicht ein.

Proschofsky: Was ist das für ein Gesetz, in dem ein in Österreicher, der in Österreich Wertpapiere veranlagt, gegenüber einem Österreicher, der in Deutschland Wertpapiere verlanlagt, diskriminiert wird?

Siegl-Cachedenier: Richtig, das hören wir auch sehr stark von den Kunden.

Schweighofer: Durch die ganzen gesetzlichen Änderungen gibt es mittlerweile nur mehr sehr wenige Investmentclubs in Österreich.

Cafe BE: Wegen der aktuellen Änderungen?

Schweighofer: Nein, vorher schon. Die Vermögen dürfen nicht mehr auf den Verein laufen, das ist ein Verstoss gegen das Bankwesengesetz, daher haben wir eine Treuhandschaft zwischengeschaltet. Das wollten sich aber viele andere Clubs nicht antun, zu viel Aufwand, zu hohe Kosten. Zurück zum aktuellen Umsatzrückgang: Der steuerliche Aspekt ist hier nicht der Hauptgrund, es sind meiner Meinung nach eher die Unsicherheiten wie Fukushima, der arabische Raum oder die Schuldensituation im Euro-Raum. Das führt dazu, dass Entscheidungen hinausgeschoben werden. Und bei der Vermögenszuwachssteuer ist die Problematik mit dem unklaren Zeitpunkt des Inkrafttretens deutlich komplexer geworden. Ein weiterer wichtiger Punkt: In den Neunzigern hatten wir zum Beispiel eine tolle Stimmung, die Leute wollten sich an den Unternehmen beteiligen. Zuletzt hatten wir eine Diskussion, dass der derjenige, der Aktien hat, ein böser Mensch ist, der bestraft gehört. Vergessen wird, dass der Aktionär die tragende Säule der Wirtschaft ist. Wenn die Unternehmen an Ausländer gehen, ist das ja sicher nicht besser. Da ist die Branche zum Aufrütteln aufgerufen, auch die Politik. Und letztendlich darf man auch die börsenotierten Unternehmen nicht aus der Pflicht nehmen. Leider sehen doch immer mehr Unternehmen den Aktionär als lästig an, man wird ja durch das politische Bild dazu eingeladen. Daher: Wir gehen zu den Hauptversammlungen, stellen Fragen, das ist auch das Recht der Aktionäre. Der Vorstand des Unternehmens soll sehen, dass die Leute kommen und interessiert sind.

Cafe BE: Herr Proschofsky, wie schätzen Sie die Chancen der Banken beim VfGH in Bezug auf die Wertpapiersteuer ein?

Proschofsky: Da tu ich mir schwer, ich hab das alles vor Monaten gelesen. Der Aspekt, der mir sehr wichtig ist, ist, dass die Inlandskonten doch nicht diskriminiert werden dürfen. Das Grundübel der Steuer ist nichts anderes, als dass man die Sparbuch-KESt auf ein Wertpapier, das eine Kursbewegung hat, umlegen wollte. Ich glaube auch gar nicht, dass das böse Absicht ist, sondern politisch und österreichisch, so nach dem Motto "tun wir das doch in das Bestehende dazu". Und leider hat es niemand gegeben, der da Widerstand geübt hat und jetzt haben wir den Salat.

Cafe BE: Wie sehen Sie die Steuer, Herr Karasek?

Karasek: Ich halte das für eine rein populisitische Massnahme. Ich kann mir nicht vorstellen, dass aus so einer Steuer etwas rauskommt, das irgendwas im Haushalt bewegt. Es ist eine Showsteuer, die noch dazu schlecht gemacht wurde

Der komplette Text: http://www.be24.at/blog/entry/660071
Mehr zum Cafe BE unter http://www.boerse-express.com/cafebe
Bilder vom Talk am 26.5.: http://www.boerse-express.com/cat/diashow/slidepage/659727